Syrien ist anders -
24 Oberaargauer reisen in den Nahen Osten
Ruedi Eichenberger, Teilnehmer
Nicht nur der erste, auch der letzte Eindruck kann prägen. Mein letzter Eindruck nach acht Tagen in Syrien waren vier junge Frauen der Reinigungsequipe im Flughafen Damaskus, die auf einer Bank im Fingerdock Pause machten und den abreisenden Schweizern «bye-bye» zulächelten.
Nach der Reise waren alle 24 Teilnehmenden einig: Syrien ist ein grossartiges Land – ein Syrien, das George W. Bushs zur «Achse des Bösen» zählte. Unser Syrienerlebnis verdanken wir Pfarrer Martin Lienhard und Pfarrerin Alice Pohl, beide Syrienkenner. An Ort öffnete uns der exzellente syrische Reiseführer Nabil Türen, die anderen verschlossen blieben. Und untereinander harmonierte die Reisegruppe bestens.
Einen Tag vor Reisebeginn hatten im Süden des Landes politische Unruhen begonnen. Wir spürten davon wenig – wenn schon, sahen wir eher Autokorsos und wehende Fahnen für den regierenden Präsidenten Bashar al-Assad. Angst hatten wir nie.
Dafür erlebten wir intensiv Geschichte. Immer wieder überprüften wir Vorurteile gegenüber dem Islam. Muslime und Christen leben im Syrien von heute selbstverständlich zusammen – ein Punkt für das Assad-Regime. Die berühmte Ommayaden-Moschee in Damaskus enthält das Grabmal Johannes’ des Täufers. Und Jesus ist Berührungspunkt beider Religionen: Die Muslime glauben, Jesus würde am Weltende von einem der Minarette heruntersteigen.
Die Dichte an Kulturgütern warf uns um. Uraltes Damaskus: Schon am ersten Abend bummelten wir über die römische «Via Recta», auf der einst der erblindete Paulus ging. Die Wüstenstädte Palmyra und Resafa: Etappenorte antiker Karawanenzüge – und, wie uns im Gespräch mit der deutschen Grabungsleiterin von Resafa aufging, noch Jahrhunderte Arbeit für Archäologen. Maalula: eine Insel der Sprache Jesu, Aramäisch, 1700 Meter über Meer. Ja, da wirkt noch einiges nach.